Mittwoch, 8. September 2010

Einander lieben

Gott – was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Du mutest uns manchmal zu mit Leuten auszukommen, die uns so total gegen den Strich gehen! Wir verstehen weder ihr Denken, noch ihr Handeln noch das, was sie sagen. Was tun, wenn die Chemie einfach nicht stimmt? Und manchmal ist Rückzug zwar die offensichtlich einfachste Lösung, aber sicher nicht unbedingt das, was z.B. die Arbeit in der Kirche voranbringt.
Und nun finde ich diesen Satz, mitten auf meinem Frühstückstisch: „Wenn wir einander lieben, lebt Gott in uns. Dann hat seine Liebe bei uns ihr Ziel erreicht.“ (2. Korinther 4,12).
Einander lieben, bedeutet dann wohl nicht, den anderen sympathisch zu finden und alles zu verstehen, was er sagt oder tut. Das bedeutet wohl eher, den anderen in der Gemeinde, im Mitarbeiterteam, so anzunehmen, wie Gott das mit uns tut. Er findet auch nicht alles gut, was wir tun und trotzdem nimmt er uns mit offenen Armen auf, unterstützt uns, korrigiert uns, schätzt uns wert. Der Knackpunkt ist im zweiten Satz zu finden: Es geht nicht um die Liebe, die wir aufbringen können, sondern es geht um seine Liebe. Diese Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern etwas Heiliges, unendlich Wertvolles und etwas, das unseren Verstand übersteigt.
Ganz neu möchte ich lernen, das mit der Liebe durchzubuchstabieren:
L – langen Atem haben bzw. ihn mir von Gott schenken lassen
I – Individuum = mein Gegenüber anerkennen, mit all seiner Liebenswürdigkeit, aber auch mit den Ecken und Kanten, die mich stören.
E – Ehrlichkeit = mich von Gott in die Schule nehmen lassen, ehrlich und aufrichtig zu sein in dem, was ich sage und tue, ohne den anderen zu verletzen
B – Bereitschaft zur Vergebung = da, wo Menschen auf engem Raum miteinander zu tun haben, kommt es auch zu Verletzungen. Wenn ich mich beleidigt zurückziehe, macht sich Bitterkeit breit, es vergiftet das Miteinander. Vergebung stiftet Frieden und befähigt, trotz „Fehltritten“ wieder aufeinander zuzugehen.
E – Einheit = Gottes Friede ist höher als alle Vernunft. Wenn wir uns von seiner Liebe immer wieder neu füllen lassen, kann in unseren Gemeindekreisen eine Einheit entstehen, die stark macht für den Kampf, in dem wir stehen.