Dienstag, 25. Oktober 2011

Wolken

Vor ein paar Tagen machte ich einen schönen Herbstspaziergang. Klare Luft, Sonne und Wolken – es tat einfach gut. Fasziniert haben mich vor allem die Wolkenformationen. Immer wieder holte ich mein Handy aus der Tasche und machte Fotos. Und meine Gedanken beschäftigten sich mit dem Thema Wolken.

Es ist total schön, einen stahlend-blauer-Himmel-Tag zu haben. Das helle Licht, die Farben, die Wärme – es tut unendlich gut. Und dann gibt es Tage, die Wolkenverhangen sind. Je nachdem ob Licht oder Wolken überwiegen, wirkt sich das oft auf unser Wohlbefinden aus. Im übertragenen Sinn, bezogen auf unser Lebens-Klima, gibt es sie auch: Die Schönwetter-Tage, die durchwachsenen und die Wolkenverhangenen Tage.

Gerade diese ganz trüben Lebenstage, die, die uns aufs Gemüt schlagen, gefallen uns so gar nicht. Manchmal ist es so trüb und grau, dass wir uns kaum vorstellen können, dass vielleicht schon morgen wieder die Sonne scheint.

Und dann fällt mir das Reinhard-Mey-Lied ein: „Über den Wolken …“ Ja, wie sieht es aus über den Wolken? Nun, von dort aus sieht man die Wolken von oben. Man steht bzw. schwebt über den Dingen sozusagen. Der Blick auf die Sonne ist ungetrübt. Wie dunkel es unten auch aussehen mag – dort oben ist alles klar und hell.

Wolkenverhangen kann unser Lebenshorizont auch dann sein, wenn wir nicht wissen, wie die Zukunft für uns aussieht. Wir grübeln, machen uns Sorgen, sehen nur die dunklen Wolken und sind verzweifelt, weil uns der Blick aufs Licht verbaut ist.

Vielleicht klagen wir Gott an, flehen zu ihm, dass er die Wolken wegnehmen soll. Er könnte sie wegnehmen, ja. Nur ein Hauch und alles wäre hell und klar. Nur – wenn wir immer alles glasklar sehen würden: Wäre Glaube dann überhaupt noch nötig?

Gott sieht immer alles glasklar. Er schwebt sozusagen über den Wolken. Hat den Überblick und kennt das große Ganze. Und er lässt es zu, dass Wolken unseren Blick trüben. Warum wohl?

Vertrauen sollen wir lernen. Grenzenloses Vertrauen. Zuhören sollen wir lernen. Hören auf das leise Flüstern seines Geistes. Sehen sollen wir lernen. Durch die Wolkendecke hindurch. Nicht, weil wir so gut mit dem Dunkel klarkommen. Nicht, weil wir so stark sind. Und auch nicht, weil wir aus Erfahrung wissen: Irgendwann wird alles gut. Nein, manches wird niemals gut und das verspricht uns Gott auch nicht. Wir dürfen lernen zu vertrauen, weil wir wissen: Trotz aller Wolken, trotz Dunkelheit, obwohl wir den Weg, den wir gehen werden, noch nicht sehen können: Es gibt einen, der alle Mosaiksteine unsres Lebens als großes Ganzes sieht und sich bei jedem einzelnen Steinchen etwas gedacht hat.

Früher oder später dringt wieder Licht durch die Wolken. Und dann wissen wir: Ja, das Vertrauen hat sich gelohnt. Wenn wir auf unseren Weg zurückschauen, erkennen wir: Auch die Zeiten, in denen wir nicht wussten, wie es weitergeht, hatten ihren Sinn.

Jesus, ich vertraue dir.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Du stillst die Sehnsucht in mir!

Dies ist eine kleine Andacht, bei der es Sinn macht, die Links zu den Liedern an der entsprechenden Stelle anzuklicken und anzuhören – man braucht also ein wenig Zeit.

Jesus, du bist alles, wonach sich meine Seele im tiefsten Innern sehnt. Du siehst mich voller Liebe an. Wenn du mir in die Augen schaust, ist es, als ob du mir ganz tief in Herz und Seele guckst. Da sind tiefes Verstehen und ein Wissen, wie es mir wirklich geht. Ich brauche vor dir nicht versuchen, meine Gefühle zu verbergen. Vor dir bin ich wie ein aufgeschlagenes Buch und es ist wohltuend, dass du alles weißt. Deine Augen sagen mir ohne Worte: Ich habe verstanden. Ich hab dich lieb. Ich werde dich niemals enttäuschen.

Nur ein Blick aus deinen Augen ...

Wenn ich im Auto sitze, bist du da. Wenn ich spazieren gehe, läufst du neben mir. Da ist eine Vertrautheit, die keine Worte braucht. Deine Nähe tut unendlich gut. Deine Liebe berührt mein Herz. Sie heilt Wunden, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass sie da sind.
Du bringst in mir etwas zum Klingen. Alle meine Sehnsüchte werden in deiner Gegenwart gestillt. Du gibst mir, was kein Mensch mir geben kann. Anerkennung. Wertschätzung. Perfekte Liebe. Zuneigung. Alles, alles, wonach ich mich sehne.

Du stillst die Sehnsucht in mir

Jesus, du bist der perfekte Gebetspartner. Mit dir zusammen kann ich zum Vater beten, wie es mit keinem anderen möglich ist. Es ist schön, mit Menschen gemeinsam vor den Vater zu treten, aber es ist nichts im Vergleich dazu, mit dir gemeinsam vor unseren himmlischen Vater zu kommen. Du hilfst mir, meine Gebete zu formulieren. Du erinnerst mich an die Punkte, die ich tatsächlich vor Gott bringen wollte. Du hilfst mir, den Vater zu verstehen. Und das, was ich nicht aussprechen kann, das formulierst du durch deinen Geist in mir an meiner Stelle.

The Fathers Song

Mit dir zusammen, Jesus, ist Leben immer ein Abenteuer. Niemals langweilig, oft herausfordernd. Du forderst mich heraus, ja – Dinge, die in mir drin schlummern lockst du hervor. Die Guten, von denen ich gar nicht wusste, dass sie da sind. Begabungen, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Und die Schlechten, bei denen es mich erschreckt, in die Abgründe meiner Seele zu schauen. Aber auch das ist gut – denn wieder und wieder arbeitest du an mir und heilst auch die tiefsten Wunden. Würdest du da nicht von Zeit zu Zeit deinen Finger drauflegen, käme es zum Stillstand im Wachstum. Manchmal tut es weh, wenn du solche Schönheitsoperationen an meinem Herzen vornimmst. Aber wieder und wieder entschließe ich mich, dir zu vertrauen, es geschehen zu lassen, weil ich weiß:

Du siehst die Wunden

Manchmal suche ich das, was nur du, Herr, mir wirklich geben kannst, bei anderen Menschen. Eine Zeit lang mag das scheinbar funktionieren. Aber dann stelle ich fest: Menschen sind eben einfach nur Menschen. Früher oder später werden sie mich verletzen. Manche wenden sich vielleicht sogar von mir ab, bewusst oder unbewusst. In manche Menschen setze ich Hoffnungen, die sie gar nicht erfüllen können oder wollen. In manche Beziehung interpretiere ich Dinge, die nur meiner Sehnsucht nach was auch immer entspringen. Vielleicht nach Anerkennung, danach verstanden zu werden, danach bewundert zu werden? Vielleicht auch danach, gebraucht zu werden?

Gott trocknet deine Tränen ab

Du hast mir wertvolle Beziehungen geschenkt. Zu meinem Mann, meinen Kindern, lieben Freunden. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Damit diese Beziehungen gute Beziehungen bleiben, muss ich meine Tanks immer wieder bei dir, mein Gott füllen, damit ich keine falschen Erwartungen an meinen Mann, meine Familie, meine Freunde stelle.
Perfekte Liebe, die hast nur du. Danke, dass ich diese Quelle anzapfen darf, sooft ich will. Danke, dass ich mit deiner Hilfe beziehungsfähig werde und bleibe.

Perfekte Liebe

Du stillst die Sehnsucht in mir – alle meine Sehnsüchte. Danke, Vater!

Montag, 3. Oktober 2011

Ich seh das Kreuz

Dieses Lied (Anklicken führt zum Link) habe ich gerade gehört.


Das Kreuz, der Ort, an dem Jesus für unsere Sünden gestorben ist. Tausendmal gehört, tausend mal kapiert? Eher nicht … Was ist mit den Dingen, die ich noch immer mit mir herumschleppe? Beziehungen, die ich nicht kitten kann, weil ich alles getan habe, aber der andere unnachgiebig und verschlossen ist. Situationen, die vorbei sind, unter deren Nachwirkungen ich aber noch immer leide. Dinge, die ich nicht ändern kann, gegen die ich aber immer noch rebelliere. Verletzungen, an denen ich festhalte, weil ich Angst habe, dass es wehtut, wenn ich Jesus diese Wunden berühren lasse.
Jesus hat sich ans Kreuz nageln lassen. Er hat sich nicht gewehrt, hat nicht von seiner Macht Gebrauch gemacht. Das tat er für die „große Sache“, dafür, dass die Menschheit wieder mit Gott versöhnt sein kann, freien Zugang zum Vater im Himmel hat, dafür, dass die „Geschöpfe“ wieder eine Einheit sein können mit ihrem Schöpfer. Aber Jesus tat es auch für die scheinbar kleinen und unwichtigen Dinge. Die Dinge, bei denen wir meinen, dass wir selbst damit klarkommen (müssen).
Das zu kapieren ist eine Sache – die Dinge wirklich ans Kreuz zu bringen, wenn es sein muss immer wieder, ist eine völlig andere Sache. Heute entschließe ich mich dazu: Ich will die Dinge, die an meiner Seele „knabbern“, durch die ich mich „angefressen“ fühle, die mich so viel Energie kosten, ans Kreuz bringen. Ich leg sie dir zu Füßen, Jesus. Ich lasse sie los und gestehe mir ein, dass all das bei dir viel besser aufgehoben ist als in meinem Herzen.
Ich seh das Kreuz. Mein Blick ist frei. Ich atme auf. Meine Hände sind leer, bereit, Neues von dir zu empfangen. Danke für das Kreuz, Jesus.

"Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus." (Philipper 3,13-14)