Samstag, 31. März 2012

Abba, Vater, Papa, Daddy …

Römer 8,15: Deshalb verhaltet euch nicht wie ängstliche Sklaven. Wir sind doch Kinder Gottes geworden und dürfen ihn »Abba, Vater« rufen.

Gott ist heilig.
Vor ein paar Jahren, als ich noch Jugendmitarbeiterin war, haben wir uns einmal mit der Offenbarung beschäftigt. In einer Kleingruppe ging es darum, das Kapitel 4 einmal bildlich darzustellen und mir wurde ein kleines Stück von Gottes Herrlichkeit bewusst.
Herr, du bist heilig, heiliger als ich mir je vorstellen kann. Wenn ich jetzt, in diesem Moment, vor deinem Thron stehen würde, müsste ich wahrscheinlich vor Ehrfurcht erstarren, würde mich auf den Boden werfen und wäre völlig sprachlos. Ja, genaugenommen haben wir vor deiner Heiligkeit stramm zu stehen und hätten - gäbe es Jesus nicht - gar nichts zu melden. Wir hätten allen Grund dazu, uns zu fürchten. Wir bräuchten gar nicht auf die Idee kommen, dir in die Augen schauen zu wollen, wir würden vergehen. Wahrscheinlich würden wir es in deiner Nähe gar nicht aushalten können, sondern würden auf der Stelle tot umfallen. Trotz deiner Heiligkeit hast du Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns. Unfassbare Liebe geht von dir aus. Jesus, du hast es fertig gebracht, diesen Riss zu schließen, diese Mauer einzureißen. Wir dürfen tatsächlich in die Nähe des allergrößten Königs kommen. Er schaut uns liebevoll in die Augen. Er will uns in die Arme schließen. Das ändert nichts an deiner Heiligkeit, Herr. Es ist ein Wunder. Begreifen werde ich das nie.
Es ist so schön, dass ich Vater, ja, sogar „Papa“ zu dir sagen darf. Leben, echtes Leben willst du schenken. Freiheit, Freude, Singen, Tanzen, Jubeln - das ist das, was du dir für uns ausgedacht hast. Wir sollen die Herrschaft über unser Leben an dich abgeben, aber wir sollen dich so anbeten, wie du uns geschaffen hast, mit jeder Faser unsres Menschseins. Danke, Vater, Papa, Daddy, für diese guten Gedanken.

Übermut?

Vor ein paar Tagen war ich mit meinen Walking-Stöcken im Wald, um meine Lieblingsrunde zu laufen. Wunderbares Frühlingswetter, angenehm warm, herrlicher Sonnenschein. Auch die Tierwelt schien das zu genießen. Ich lief los und plötzlich hörte ich es rascheln im alten Laub unter einem Kastanienbaum. Neugierig blieb ich stehen. Da huschte eine ganze Horde kleiner Mäuschen wild um den Baum herum. Sie schienen ausgelassen fangen zu spielen. Völlig übermütig sind sie, dachte ich und obwohl ich sonst nicht der größte Mäuse-Fan bin, freute ich mich riesig über diese Lebensfreude, die diese Kleinen völlig vergessen ließen, dass ich als Mensch eigentlich eine Bedrohung für sie sein könnte. Ich setzte meine Runde fort und immer wieder hörte ich es rascheln. Jedes Mal, wenn ich das hörte, musste ich schmunzeln und dachte an die wilde Mäusebande. Später, fast am Ende des Weges, sah ich wieder solche kecken Mäuschen durchs Laub flitzen. Rein ins Mauseloch, wieder raus usw. Eine Maus schien besonders vorlaut zu sein – sie hockte sich frech neben einen Stein und sah mich neugierig an.
Da sah ich, dass auf diesem Stein ein Frosch saß und kurz drauf hörte ich es weiter vorne quaken. Interessiert marschierte ich weiter. Und dann sah ich sie: Zig Frösche, die in einer langgezogenen Pfütze hinter- und übereinander her bergauf hüpften. Es war ein geniales Bild. Und wieder dachte ich: wie übermütig!

Damit entstand der Gedanke für diesen Blogeintrag. Übermut, dachte ich, da kann man eine prima Andacht drüber machen. Als ich allerdings las, was die Bibel zum Thema Übermut sagte, stellte ich fest, dass ich eigentlich etwas anderes empfand, als ich die Mäuschen und Frösche sah. Übermut kommt in der Bibel durchweg schlecht davon. Er wird gleichgesetzt mit Bosheit, Überheblichkeit, Gottlosigkeit. Und wenn man sich das Wort anschaut, wird einem klar, dass Übermut ja auch irgendwie unstimmig in sich ist. Es gibt eigentlich keine Steigerung von Mut. Man kann mutig sein, auch extrem mutig – aber Übermut hört sich an wie über die Stränge schlagen. Wer übermütig ist, traut sich zu viel zu, vergisst die Risiken. Auf den Glauben bezogen heißt das evtl., sich aufgrund von Segnungen Gottes mehr rauszunehmen als einem zusteht, vielleicht anzugeben, hoch zu pokern oder was auch immer.

Und dann wird mir klar, was mich an meinen vierbeinigen Lehrmeistern neulich im Wald so fasziniert hat: Es war pure Lebensfreude – und diese Lebensfreude dürfen wir in der Sonne Gottes auch empfinden und ihr Ausdruck verleihen!
"Du zeigst mir den Weg zum Leben. Dort, wo du bist, gibt es Freude in Fülle; ungetrübtes Glück hält deine Hand ewig bereit." (Psalm 16,11)

Donnerstag, 15. März 2012

Für Eile fehlt mir die Zeit ...

Für Eile fehlt mir die Zeit ... so lautet der Buchtitel eines Kabarettisten, Horst Evers, in dem er Alltägliches aufs Korn nimmt. Das Buch selbst kenne ich nur so grob, hab es ein paarmal im Buchladen verkauft. Aber der Titel fiel mir eben ein, als ich mir eine Überschrift für meinen neuen Blogeintrag überlegte. "Für Eile fehlt mir die Zeit." Eine schöne Aussage. Noch besser gefällt mir zu dem Thema aber ein Zitat von Joyce Meyer, das ich vor ein paar Tagen las:

"You may be trying to do too many things and end up doing none of them well. Hurrying is the flesh trying to do more than the Holy Spirit is leading you to do. Be led by the Spirit." - Wir sind in der Versuchung, jede Menge Dinge, viel zu viele Dinge zu tun und am Ende nichts davon richtig gut gemacht zu haben. Eile ist unser alter Mensch, der mehr tun möchte, als das, wozu uns der Heilige Geist beruft. Lass dich vom Heiligen Geist leiten.

Wir packen so viel in unseren Alltag, rennen von einer Sache zur anderen und stöhnen, dass wir gestresst sind. Oder wir rennen tagein und tagaus und halten es sogar für normal - bis vielleicht unser Körper irgendwann einmal Signale schickt, die wir nicht mehr ignorieren können. Warum tun wir das? Oft halten wir uns für extrem wichtig. Es tut unserem Ego gut, wenn andere kopfschüttelnd daneben stehen und sagen: "Wie schafft sie das nur? Soviel würde ich niemals unter einen Hut bekommen!" Häufig denken wir, dass andere das alles von uns erwarten und rennen, damit ja keiner enttäuscht ist oder schlecht von uns denkt. Und manchmal - vielleicht häufiger als wir denken - tun wir Dinge, die eigentlich die Aufgabe anderer Leute wären. Die unserer Kinder, Eltern, Kollegen ...

Aber was passiert mit den anderen, wenn wir so leben? Diejenige, die uns bewundert, geht vielleicht frustriert davon, weil sie es nicht schafft, sich so extrem zu engagieren - und weiß gar nicht, dass sie dabei sogar gesünder lebt und evtl. mehr vom Leben kapiert hat als der "Schaffer", den sie beneidet. Wenn wir es anderen immer nur recht machen wollen, stehen wir in der Gefahr, uns selbst zu verlieren. Und wenn wir die Aufgaben anderer erledigen, erziehen wir diese quasi zur Unselbstständigkeit, vielleicht sogar zu Bequemlichkeit und nehmen ihnen die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu machen. In der Kirchengemeinde kann das sogar heißen, dass Leute, die Gott wunderbar begabt hat, auf der Reservebank sitzen bleiben, weil einige wenige "Hyperaktive" den ganzen Laden schmeißen und gar nicht auf die Idee kommen, dass sie auch einen Gang zurückschalten könnten, damit die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird.

Ein Buch hat mich in letzter Zeit auf die Spur gebracht, mal wieder darüber nachzudenken, was für mich eigentlich wirklich dran ist: Geri Scazerro, Jetzt ist Schluss - Mein Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben. Ein spannender Prozess hat begonnen!