Donnerstag, 21. Juni 2012

Abschiednehmen

Abschiednehmen, das ist mein momentanes Thema: Vor ein paar Tagen haben wir unseren Gemeindepastor verabschiedet. Nur noch wenige Begegnungen, dann sind er und seine Familie zum neuen Einsatzort unterwegs. 15 gemeinsame Jahre, die uns als Familie sehr geprägt haben - der Abschied fällt nicht leicht. Ein Abschied der ganz anderen Art ist in vollem Gange: Mein Elternhaus wird gerade "aufgelöst" und es ist schon komisch, Abschied zu nehmen von vielen, vielen Erinnerungen aus den vergangenen Jahrzehnten.
Abschiede gibt es auch in der Bibel häufig. Mir fällt Rebekka ein (1. Mose 24). Sie geht mit ihrem Mann Jakob weg: aus ihrem Land, von ihrer Familie, aus ihrer Kultur. Hinein in ein unbekanntes Land voller Herausforderungen. Eine herzzerreißende Szene gibt es, als David sich von seinem Freund Jonathan verabschieden muss, weil er vor dessen Vater auf der Flucht ist (1. Samuel 20). Und Paulus, der viel auf Reisen ist, muss immer wieder Abschied nehmen von den Menschen, die er lieb gewonnen hat, die er häufig sogar zum Glauben geführt hat. An manchen Orten war er kürzer, an anderen länger, aber immer wieder ist von tränenreichen Abschieden die Rede. Der schönste Satz dazu steht in Apgs. 18,21: "Ich werde, wenn Gott will, wieder zu euch zurückkehren." Bei allen Abschieden steht das unumstößlich fest: Gott hat alles in der Hand. Er geht mit dem, der neue Wege einschlägt und er bleibt bei dem, der zurückbleibt. Es gibt ein - zugegeben etwas älteres - Lied von Manfred Siebald dazu mit einem wunderschönen Text: Wenn Gott will und wenn wir leben.

Tränenreich geht es zu bei den Abschieden der Bibel. Das zeigt mir wieder neu: Glaube heißt nicht, die Gefühle zu verleugnen. Christsein bedeutet nicht, immer abgeklärt über den Dingen zu stehen. Manches im Leben tut einfach weh und Gott hat uns die Fähigkeit gegeben, dem Schmerz Ausdruck zu verleihen. Wenn ich also traurig bin, weil mein Elternhaus, der Ort, an dem ich eine sehr glückliche Kindheit hatte, aufgelöst wird, dann darf ich es zulassen, wenn mal die Tränen kullern - auch als erwachsene Frau, die schon längst selbst Familie hat. Das ist etwas, was ich in diesem Jahr erst richtig entdeckt habe: Gott hat uns mit einer großen Palette an Gefühlen ausgestattet und wir dürfen lernen, diese Gefühle wahrzunehmen und entdecken, was sie uns sagen wollen. Gefühle sollen zwar nicht immer und überall der Motor unsres Handels sein, aber sie sind ein guter Indikator. Auch unser Gefühlsleben darf immer mehr von Jesus geprägt werden und kann uns immer mehr zum wertvollen Ratgeber bei Entscheidungen und dem Finden unsres Lebensrhythmus und dem für uns passenden Lebensstil werden.