Mittwoch, 31. Oktober 2012

Mauerbau

Vor einigen Tagen "musste" ich mich mit Versen aus dem biblischen Buch Nehemia beschäftigen und ich war begeistert! Das Volk Israel kehrt nach der babylonischen Gefangenschaft in Etappen nach Jerusalem zurück und versucht, dort wieder heimisch zu werden. Als Nehemia mit einem späten Rückkehrertrupp in Jerusalem eintrifft, ist er entsetzt: Noch immer liegen die so wichtigen Stadtmauern in Trümmern. Und Nehemia organisiert den Wiederaufbau der Mauer: In nur 52 Tagen steht die Mauer wieder! Alle haben unter Nehemias Anleitung mitgeholfen. Welch ein Organisationstalent! Aber nicht nur das. Nehemia war auch ein starker Beter. Denn der Aufbau der Mauer ging nicht ohne Probleme vonstatten. Nehemia aber blieb im ständigen Kontakt mit Gott, fragte ihn um Rat, flehte ihn an, flüchtete sich zu ihm vor Verleumdung und Anfeindung. Als die äußeren Mauern wieder standen und die Einwohner endlich wieder geschützt waren vor Angriffen von außen, stellte Nehemia fest, dass auch im Herzen der Leute vieles in Trümmern lag. Der Glaube war nur noch ein Fragment, vieles war verschwommen und nicht mehr erkennbar. Mithilfe von Esra begann Nehemia, den Menschen die "Basics des Glaubens" wieder neu nahezubringen - und sie lassen sich darauf ein. Ganz neu schließen sie einen Bund mit Gott und beten ihn voller Ehrfurcht an.

In unserem Leben gibt es auch Zeiten, in denen durch schwierige Wegführungen oder eigenes Verschulden die Mauern unseres Glaubens völlig eingestürzt sind. Wir können dann nicht mehr glauben. Zweifel werden immer größer. Gott noch einmal zu vertrauen fällt uns unendlich schwer. Manchmal brauchen wir jemanden wie Nehemia, der uns hilft, die Trümmer wieder aufzubauen, uns zeigt, welche Schritte nun nötig sind. Und dann kann es sein, dass auch wir die "Basics" des Glaubens wieder ganz neu an uns heran lassen müssen.

Wie kann das geschehen? Einen "Nehemia", den schickt uns Gott meist über den Weg, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Jemand, der uns an der Hand nimmt. Oder der "Nehemia" kommt in Gestalt eines guten Buches, einer Predigt oder TV-Sendung , die uns helfen, wieder klarer zu sehen. Um die "Basics des Glaubens" können wir uns selbst kümmern: Mal wieder regelmäßig einen Gottesdienst, einen Hauskreis oder eine Bibelstunde besuchen. Oder an einem Alpha-Kurs (oder einem ähnlichen Glaubensgrundkurs) teilnehmen - nur Mut!

Allen Lesern wünsche ich starke und haltbare Mauern des Glaubens.

Und passend zum heutigen Reformationstag: Ein feste Burg ist unser Gott

Freitag, 5. Oktober 2012

Das lass mal meine Sorge sein!

Wie elektrisiert bin ich, als mir die Zeile ins Auge springt: "Wie lange soll meine Seele noch sorgen ..." (Psalm 13,3a). Den Psalm habe ich in den letzten beiden Wochen schon mehrmals gelesen, weil er Teil meiner Hauskreisvorbereitung war, aber dieser Vers war mir bisher gar nicht aufgefallen. Sofort fällt mir dazu ein: 1. Petrus 5,7. Ich blättere nach, lese den Text drum herum und staune: Es beginnt mit der Demut. Ein Wort, das wir Menschen gar nicht gerne hören. Das hört sich so schwierig an, so unbequem. Ist es auch! Die "Gesinnung eines Dienenden", wie es das Wörterbuch umschreibt, haben wir nicht automatisch und meistens ist das nicht unser Lieblingsjob. Demütig sein heißt: "Gott, du bist der Boss, sag mir, wo´s langgeht und ich folge dir." Erst danach steht der bekannte Vers mit den Sorgen. Also, noch mal zum langsam Mitdenken: Ich lasse den Herrn HERR sein. Wenn dieses Vorzeichen stimmt, kann ich das Sorgen Gott überlassen.

Interessant auch die Verse, die direkt danach kommen. Wachsam sein, weil Gottes Möchtegern-Gegenspieler um uns herumschleicht und schaut, wo er uns eine Falle stellen kann. Beim Thema Sorgen geht das ruckzuck: Wir beten und bitten Gott, sich einer Sache anzunehmen und wollen die Lösung auch tatsächlich unserem Herrn überlassen. Mutig marschieren wir los, ein bisschen wacklig noch auf den Beinen - aber wir schauen nach vorne. Aber der alte Fiesling lässt nicht locker. Er streut hier einen Gedanken, dort eine vermeintliche Verschlechterung der Situation und schwuppdiwupp reißen wir das komplette Sorgenpaket wieder an uns. Einmal nachgegeben, können nun die sorgenvollen Gedanken und die Angst wieder schlimmer wüten als je zuvor. Und er, der den Kampf um uns Menschen längst verloren hat, lacht sich ins Fäustchen.

Gott, unser liebender Vater, weiß darum. Er kennt uns und schiebt noch ein paar Sätze hinterher: Den anderen Christen geht es genauso. Und er öffnet uns den Blick für die Ewigkeit: Eines Tages wird das alles aufhören. Bis dahin darfst du wissen: "Ihm - Jesus Christus - gehört alle Macht für immer und ewig."

Und weil wir es nicht oft genug hören können, gibt Jesus uns noch an anderen Stellen in der Bibel Hilfestellung zum Umgang mit Sorgen, z.B. hier: Matthäus 6,25-34. Voller Liebe erklärt er uns, wie wertvoll und wichtig wir Gott sind und dass ihm sehr viel daran gelegen ist, sich um uns zu kümmern. "Euer himmlischer Vater kennt eure Bedürfnisse", heißt es in Vers 32b. Zu Beginn dieses Verses hören wir leichten Tadel. Warum wollt ihr so leben wie die Menschen um euch herum, deren Denken vom Konsum gefangen genommen ist und für die es nichts Wichtigeres gibt? Und wieder werden wir aufgefordert, unsere Prioritäten gut im Auge zu behalten: Gottes Reich soll unser wichtigstes Anliegen sein. Der Herr sagt quasi zu uns: Kümmere du dich nur darum, ganz in meiner Nähe zu sein, mich über alles - und mit alles meine ich ALLES - zu stellen. Um die anderen Dinge kümmere ich mich. Versprochen und mit meinem heiligen Blut besiegelt.

In einer Andacht hörte ich kürzlich einen wunderschönen Satz: "Das, was wir loslassen, lassen wir los in Gottes Hände." Es stimmt: Die Sorgen, die wir an Gott abgeben, fallen nicht ins Bodenlose. Menschen, die wir loslassen, stürzen nicht ins Nichts. Umstände, die wir abgeben, geraten nicht in Vergessenheit. Sondern: Gott hält seine Hände unter uns. Alles landet weich und sicher bei ihm. Er kümmert sich. Er hält fest. Er weiß.