Samstag, 18. Januar 2014

Christsein - warum eigentlich?

Warum bin ich Christ? Damit mir Dinge besser gelingen? Damit ich - irgendwie - getröstet bin? Gerade las ich einen fb-Beitrag, wo jemand den Rat gab: Bete nur, dann klappt das, was du dir vorgenommen hast, schon! Hallo? Dann wäre Christsein ja absoluter Egoismus und nichts weiter als eine Motivationshilfe und ein billiger Seelentröster! Ich bete und die umbetete Angelegenheit  "klappt" nicht? Gut, dann hat Gott das Gebet halt nicht erhört, das muss ich akzeptieren. Prima, dass ich mich dadurch nicht selbst infrage stellen muss, mich nicht mit meinem eigenen Versagen auseinander setzen brauche!

Überhaupt ist der Glaube doch praktisch: Wenn mir etwas Unangenehmes über den Weg läuft, nenne ich es "Anfechtung", wenn ich mich selbst nicht in den Griff bekomme, ist das "Versuchung" - wunderbar, wie ich mich dadurch überall aus der Verantwortung ziehen kann.

Komischerweise findet man gerade unter Christen ziemlich viele "kaputte" Menschen. Man hatte es sich so einfach vorgestellt: "Ich werde Christ und alle meine Probleme sind für alle Zeit gelöst." "Das, was mir zustößt und mich herausfordert, ist Führung Gottes. Dagegen sollte ich mich auf keinen Fall auflehnen. Wenn ich alles so annehme, wird es mir gut gehen." Das ist ein sehr hoher Anspruch! Und der Absturz, wenn es anders läuft, hat eine gewaltige Fallhöhe. Depressionen, Überforderung, Selbsthass und manchmal bis hin zu Selbstmordgedanken sind die Folge.

Gott ist jederzeit da, das stimmt und steht ja auch sehr deutlich in der Bibel. Er rettet und er hilft. Er tröstet und erlöst. Trotzdem mutet er es uns zu, in einer Welt zu leben, die alles andere als perfekt und paradiesisch ist. Er hat uns einen hellwachen Verstand und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen geschenkt. Wir dürfen also z.B. durchaus selbst entscheiden, wie weit uns andere Menschen - ob in Gemeinden oder im beruflichen Umfeld - bestimmen können. Wir haben den Auftrag, selbst für unseren Körper zu sorgen, auch für unseren Vorrat an Energie. Wenn wir das nicht beachten, haben wir ganz natürliche Toleranzgrenzen als Werkzeug mitbekommen, die uns zeigen, wenn wir Raubbau an unserer Gesundheit treiben.

Ok, wenn wir also doch größtenteils selbst dafür zuständig sind, wie es uns geht - welche "Rolle" spielt Gott dann in unserem Leben? Ist er dann einfach nur Dekor, weil's gut aussieht oder es sich wie bei einer Versicherung besser anfühlt?

Mmh - interessante Frage ... Könnte es nicht sein, dass Gott gar keine "Rolle" spielen will? Er hat mich erschaffen, wunderbar, mit ganz viel Liebe zum Detail und einem herzerfrischenden Sinn für Humor. Es hat ihn das Leben gekostet, die Beziehung zu ihm, die von Grund auf verkorkst war, wieder zu reparieren. Er liebt mich als sein Gegenüber und wünscht sich nichts mehr, als alles mit mir teilen zu können. Er will keine Rolle spielen, er wünscht sich nichts sehnlicher, als die Basis meines Lebens zu sein. Er liebt es, wenn ich mit ihm ständig im Gespräch bin und meine Gedanken und Pläne mit ihm teile. Und es macht ihn glücklich, wenn ich die Geschenke, die er sich für mich ausgedacht hat, entdecke und auspacke.

Gott nahe zu sein ist mein Glück - die Jahreslosung aus Psalm 73 ist Grund und Basis dafür, Christ zu sein. Mehr verlangt er gar nicht! Und selbst dazu "zwingt" er uns nicht, sondern er wirbt immer wieder liebevoll darum, dass wir Zeit in seiner Nähe verbringen.

Aus dieser Nähe heraus schöpfe ich Kraft, lerne Dinge, Umstände, Begegnungen mit seinen Augen zu sehen. Wer sein Basislager beim himmlischen Vater aufschlägt, dem geht es wie dem Verfasser von Psalm 84. Dort heißt es im 11. Vers: "Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend andere."

Und warum bist du Christ?