Sonntag, 17. August 2014

Ist es wahr?

Mit dem Glauben ist das so eine Sache: Es gibt die Hoch-Zeiten, in denen man sich dem Himmel so nah fühlt und der Gedanke, dass sich daran jemals etwas ändern wird, unvorstellbar ist. Die Bibel scheint nur für einen selbst geschrieben zu sein, jedes Wort trifft und spricht an. Gott im Alltag erleben ist spürbare Realität. Der Sonntag, an dem man voller Vorfreude in die Kirche geht, ist das Highlight der Woche. Manch einer erlebt diese Hochs nur ganz selten, bei anderen halten sie scheinbar jahrelang an.

Aber jeder Christ kennt auch diese Zeiten: Es fällt schwer, überhaupt noch dran zu glauben. An das, was in der Bibel steht. An das, was man selbst jahrelang als greifbare Realität erlebt hat. Und das, was andere berichten.



Zwei Wochen lang haben wir die wunderschöne Natur in einem Weinbaugebiet erlebt und genossen. Und viel gelernt darüber, wie der Weinbauer einen möglichst hohen Ernteertrag erzielt. Heute im Gottesdienst wurde darüber aus der Bibel zitiert: Ich bin der Weinstock, ihr seid dir Reben ... Eine Weinrebe ist heutzutage aufgepfropft auf den Weinstock. Der Weinstock ist gar nicht besonders ansehnlich, er scheint nur ein knorriges Stück Holz zu sein. Und doch kann die Rebe, die darauf gepfropft ist, alleine gar nichts zustanden bringen. Wenn eine Rebe, als der Teil, der später die Früchte bringt, den Kontakt zum Weinstock verliert, stirbt sie ab. Die Trauben verdorren, das Leben weicht aus ihr. Ein Winzer hat uns erzählt, wie radikal im Herbst zurückgeschnitten wird. Nur der beste Trieb wird für das nächste Jahr stehen gelassen, damit dieser sich optimal entfalten und Frucht bringen kann.

Wenn wir also solche Zeiten im Glauben erleben, in denen wir so gar nichts fühlen von dem, was wir einmal als wahr erkannt haben, sollten wir uns fragen: Haben wir den Kontakt zum Weinstock vielleicht irgendwie verloren? Da hilft nur eins: dranbleiben! Nicht aufhören mit Bibellesen, in die Gemeinde gehen, mit Gott reden. Dann kann die Verbindung wieder neu wachsen.

Aber es kann auch sein, dass wir uns gerade in einer Zeit der "Beschneidung" befinden und darum das Gefühl haben: Gott ist nicht mehr da. Alles fühlt sich so tot an. Manches tut vielleicht weh. Eine Leere und Sinnlosigkeit macht sich breit.

Aber egal, woher diese Gefühle und Zweifel kommen, die beste Medizin ist: dranbleiben am Weinstock. Sich nicht entfernen von der Quelle, den Nährstoffen, dem, was Kraft gibt.

Gefühle sind oft trügerisch. Aber leugnen müssen wir sie nicht. Denn Gott, der uns geschaffen hat, will von uns hören, was und wie wir fühlen. Es interessiert ihn. Es rührt ihn an.

Wenn er uns also solche Zeiten mit Wachstumsschmerzen zumutet: Bleiben wir dran?