Donnerstag, 4. Dezember 2014

Josef war nicht der leibliche Vater von Jesus

Gestern morgen ging es in unserer morgendlichen Andacht an der Arbeit um Maria. Die Jungfrau Maria. Die Mutter von Jesus Christus. Maria war mit Josef verlobt - und trotzdem war Jesus nicht sein leibliches Kind. Der Vater von Jesus Christus war und ist Gott selbst. Gott in uns - Maria war die erste, die das erleben durfte - hautnah. Das hat ihr Leben gewaltig auf den Kopf gestellt. Aber sie konnte es annehmen, hat Gott im weltberühmten Magnificat gepriesen.

Und Josef? Gott hat ihm ganz schön was zugemutet: Seine Verlobte - schwanger. Misstrauen, Wut, Enttäuschung mögen vielleicht seine ersten Reaktionen gewesen sein. Gott wusste aber, dass Josef ein großes Herz hat. Und darum schickte er seinen Engel im Traum zu Josef. Es muss ein sehr eindrücklicher und reeller Traum gewesen sein. Josef jedenfalls tut, was ihm der Engel im Traum gesagt hat: Er heiratet Maria und nimmt das göttliche Kind als sein eigenes an. Er sorgt sich um Jesus, er beschützt ihn, er lehrt ihn seinen Beruf. Das tut Josef, obwohl er kein "Anrecht" an seinem angenommenen Sohn hat. Und auch, als es schmerzhaft wird, als Jesus z.B. als Zwölfjähriger sagt, dass er natürlich im Haus seines (himmlischen) Vaters zu suchen gewesen wäre, lesen wir nichts von Ärger oder Ähnlichem bei Josef.

Gesten Abend war ich mit einem Ehepaar unterwegs, wo der Mann ebenfalls nicht der Vater der vier Kinder ist. Er liebt diese Kinder. Er ist im Alltag für sie da, lernt mit ihnen, stellt sich nervigen Teenie-Diskussionen, verbringt so viel Zeit wie möglich mit ihnen. Ein moderner Josef, ebenfalls mit einem großen Herzen.

Josef war nicht der leibliche Vater von Jesus. Aber Gott hat ihm einen irdischen Vater geschenkt. Vielleicht, damit er seinen himmlischen Vater nicht ganz so doll vermisst; vielleicht, um uns Menschen Mut zu machen; vielleicht, um Vätern - damals und heute - zu sagen: Ich traue es euch Männern zu, gute Väter zu sein - für eigene, aber auch für angenommene Kinder. Ihr seid so wichtig im Leben dieser Kinder!

Ich jedenfalls bin dankbar, dass ich einen irdischen Vater habe. Er lebt nicht als Christ, aber er hat mir immer das vermittelt, was ein Kind braucht: Geborgenheit, Verlässlichkeit, Sicherheit. Gott hat es ihm zugetraut und mich ihm anvertraut. Darum fällt es mir, seit ich Christ bin, auch leicht, zu Gott als meinen himmlischen Vater zu kommen.

(c) Sabrina Constalla/pixelio.de