Montag, 20. Juli 2015

Have a nice day

Have a nice day - so heißt es seit heute an der Wand über unsrer Essecke. Hab einen schönen Tag.



Ein locker daher gesagter Spruch, eine schöne Tasse Kaffee, Cappuccino, Latte Macchiato, ein leckeres Croissant - und schon wird es ein wundervoller Tag. Oder?

Was aber ist mit den Tagen, an denen ich mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden bin. Diese Wochen, die völlig lustlos dahin plätschern. Diese Monate, in denen ich mich fühle wie im Hamsterrad. Oder diese Wochenenden, an denen man sich total einsam und vergessen fühlt ...

Was sind die Zutaten für gelungene 24 Stunden? Habe ich es in der Hand, ob ich am Ende eines Tages zufrieden zurückblicken kann oder frustriert in den Sessel falle?

Ein bisschen schon, denke ich. So fängt für mich ein guter (Wochen-)Tag damit an, dass ich zu einer festen Zeit aufstehe, eine kleine Sporteinheit mache und mir dann Zeit in Gottes Nähe gönne. Das ist für mich keine religiöse Pflichtübung, sondern eine Zeit, in der ich meine Gedanken vor meinem himmlischen Vater ausbreite, indem ich schriftlich bete. In dem Zusammenhang lese ich auch meistens einen Text aus der Bibel - mal spricht mich das, was ich lese, direkt an, ein anderes Mal nehme ich den Text einfach in mich auf.

Je nachdem, ob ich an dem Tag noch arbeiten muss oder nicht, frühstücke und dusche ich dann gemütlich oder eben etwas zügiger. Tage, die nicht durch den gefüllten Terminkalender im Job ihre Struktur haben, plane ich gerne ein wenig durch. So nehme ich mir für freie Tage z.B. ein oder zwei Dinge vor, die erledigt werden müssen, lasse aber auch Freiraum für Dinge, die ich gern tue. Aber ich merke, eine gewisse Struktur tut mir einfach gut. Im Urlaub ist das natürlich was anderes - ab und zu ist es auch wohltuend, einfach in den Tag hineinzuleben!

"Eine  schönen Tag noch" wünsche ich aber auch den Menschen, denen ich an der Kasse ihre Ware in die Hand drücke oder der Verkäuferin im Supermarkt, wenn ich selbst meine Einkäufe erledige. Es ist schön, hier und da ein Lächeln zu ernten, gerade auch, wenn ich diese Grußformel mal etwas anders formuliere.

Es braucht nicht viele Zutaten für einen guten Tag, aber ein wenig Struktur, ein bisschen Freundlichkeit, ein kleiner Freiraum, den ich mir gönne, macht oft den Unterschied.

Und was ist mit diesen Tagen, die mir völlig entgleiten, weil andere Menschen, Umstände oder was auch immer mir die Planung durcheinanderwirbeln? Die gibt es auch, häufiger als uns lieb ist. Und dann brauche ich diese Sekundengebete oder auch "Toiletten-Pausen", in denen ich zu Jesus spurte und ihn bitte, mir jetzt da durch zu helfen. Das ist wie einmal tief durchatmen, mitten im Chaos. Bei demjenigen, der Stürme gestillt, Hungrige satt gemacht hat. Und das tut er auch heute noch: den Sturm in meinem Inneren stillen, meine hungrige Seele sättigen, meinen Mangel an Liebe, Anerkennung, Aufmerksamkeit ausfüllen.

Und hier schließt sich der Kreis: Wenn es mir eine lieb gewonnene Gewohnheit geworden ist, regelmäßig die Nähe meines Schöpfers zu suchen, werde ich immer wieder daran erinnert, wie er mich sieht, was er mir schenkt. Und dann komme ich vermutlich an Tagen, die nicht so hitverdächtig sind, relativ schnell auf den Gedanken, ihn um Hilfe zu bitten.

In diesem Sinne: Have a nice day!