Montag, 24. April 2017

Ich gehe jetzt fischen!



Gestern habe ich eine prima Predigt über die Begegnung des auferstandenen Jesus Christus mit seinen Jüngern am See Tiberias (Johannes 21,1-14) gehört. Klasse, wie Jesus mit den Jüngern umgeht - er sieht ihren Frust und begegnet ihnen so, wie sie es brauchen.

Mich hat wieder einmal Petrus fasziniert. In der Mitte des Abschnitts, wie er kurzerhand ins Wasser springt, als er Jesus erkennt - das ist typisch Petrus: spontan, impulsiv, herzerfrischend! Aber was mich ebenfalls total anspricht ist seine Aussage ganz zu Beginn dieses Berichts, in Vers 3: "Ich gehe jetzt fischen!"

Ein bisschen muss ich auch hier schmunzeln: Die Jünger kommen aus dieser beeindruckenden Zeit mit Jesus und zuletzt mussten sie sehen, wie ihr Freund und Lehrer am Kreuz getötet wird. Zwar haben sie von der Auferstehung gehört, aber so richtig wissen sie nicht damit umzugehen. Ist es denn wahr? Und was jetzt? Und auch mit sich wissen sie nichts anzufangen. Petrus scheint die Warterei leid zu sein (und wahrscheinlich hat er auch einen gewissen "wirtschaftlichen" Druck) und daher sagt er: "Ich gehe jetzt fischen."

Setzen auf Bewährtes. Auf das, was früher schon funktioniert hat. Mir kommt das irgendwie bekannt vor. Wenn sich eine Lebenssituation ändert, fallen wir oft in alte Verhaltensweisen zurück. In gute, die sich bewährt haben, aber oft genug auch in schlechte ... Keine Ahnung, was da tiefen-psychologisch in unserem Kopf stattfindet - aber wenn wir verunsichert o.ä. sind, setzen wir auf Bewährtes. Scheinbar fällt es uns dann schwer zu filtern, ob dieses Bewährte gut für uns ist oder nicht. Der eine fällt dann wieder zurück in eine Spielsucht, mit der er sich schon früher abgelenkt hat, die andere fängt wieder an, unkontrolliert Essen in sich reinzustopfen, weil das schon immer als schnelle Lösung herhalten musste und wieder eine andere verfällt in einen Kaufrausch, ein anderer dem Alkohol und eine andere Person stürzt sich in Arbeit und wird wieder zum Workaholic, obwohl in das schon mal in die völlige Erschöpfung geführt hat. Und einem anderen gelingt es, sich wieder auf den Sport oder ein wohltuendes Hobby zurück zu besinnen, das ihm/ihr schon einmal geholfen hat, wieder in die Spur zu kommen.



Petrus hat ja mit der Rückkehr in seinen alten Beruf im Grunde nichts falsch gemacht. Er brauchte Essen für seine Familie, er braucht eine Beschäftigung, er musste seinen Frust abbauen - da schien ihm das Fischen eine sinnvolle Tätigkeit. Das hatte er gelernt, das konnte er. Allerdings: Wäre Jesus nicht vorbeigekommen, würde Petrus wahrscheinlich heute noch angeln und wäre nicht zu diesem großartigen Evangelist geworden!




Das scheinbar Bewährte kann auch im Frust enden. Wie bei Petrus: Der Spezialist im Fischereigewerbe scheitert, denn diesmal bleiben die Netze leer. Erst Jesus kann sie füllen. Moment? Diese Lektion hatte er doch schon einmal gelernt - bei seiner Berufung!

Welche Lektionen haben wir schon gelernt im Leben? Was sind gute Gewohnheiten, auf die wir uns wieder besinnen wollen und was sind schlechte Gewohnheiten, die wir eigentlich schon abgelegt hatten? Jesus erinnert uns gerne daran, was funktioniert und was nicht. Er eröffnet uns neue Horizonte, wo unser zu begrenzt ist. Und er versetzt uns gerne auch immer wieder ins Staunen darüber, was er tun kann. Einfach so.

Und auch er, Jesus Christus, setzt gerne auf Bewährtes: Er deckt uns den Tisch, er nimmt sich Zeit für uns, er erklärt uns geduldig noch einmal, wie die Welt und unser Leben in seinen Augen aussieht. Und er spricht mit uns über unser Scheitern und unser Versagen (s. Johannes 21 ab Vers 15).




Freitag, 14. April 2017

Good Friday

"Good Friday" - so nennt man den Karfreitag im englischsprachigen Raum. Der Freitag, an dem alles gut wird. Der beste Freitag, den es jemals gab.

Moment - wir sprechen von Karfreitag, oder? Der Freitag, an dem alle Christen mit düsterer Kleidung und in trüber Stimmung durch die Gegend laufen. Der Tag, an dem die Christenheit an den Tod von Jesus Christus denkt. Ein scheinbar Unschuldiger muss elendig an einem Kreuz angenagelt sterben. Verspottet, verlacht, hilflos ausgeliefert denen, die sowieso immer gewinnen. Aus und vorbei ist es mit allem, auf das viele Menschen all ihre Hoffnung gesetzt hatten. Einfach nur noch traurig. Das Böse hat offensichtlich mal wieder gewonnen ...

Aber Gott, der himmlische Vater, lässt uns hinter die Kulissen schauen. Der Vorhang im Tempel, der den Zugang zum Allerheiligsten versperrte, zerreist in dem Moment, als Jesus Christus stirbt. Was an diesem Kreuz passiert, ist etwas viel Größeres und wirklich der beste Freitag, den es je auf der Erde gab.

Warum? Weil Jesus im Moment seines Sterbens alles auf sich nimmt, was Menschen jemals verbockt haben und was die Menschheit seit dem Sündenfall von Gott trennt.

Und nicht nur das: Er nimmt auch all das mit in den Tod, was andere an uns schuldig geworden sind. Jeden Moment, in dem andere Menschen uns vermittelt haben: Du taugst nichts, du wirst es nie zu etwas bringen, du kannst es eh niemals und niemandem recht machen. Kennst du dieses Gefühl? Du hast dich angestrengt, wirklich dein allerbestes gegeben, über deine Kräfte geschuftet. Und der Dank? Es war trotzdem nicht perfekt, es gab immer noch etwas auszusetzen.

Wie viele solcher Kerben haben wir im Laufe des Lebens erhalten? Und trotzdem versuchen wir es immer wieder: Anerkennung zu finden, Lob und so etwas wie Liebe von anderen Menschen zu bekommen. Wir verbiegen uns, wir vernachlässigen unsere eigene Interessen. Nur, um andere zu beeindrucken und eventuell doch diesen Funken Hoffnung zu sehen ...

Das Problem ist: Menschen können diese tiefe Sehnsucht in uns gar nicht stillen. Das kann tatsächlich nur Gott. Und der brennt darauf, uns mit seiner Liebe zu überschütten. Seit Karfreitag ist das wieder möglich, weil Jesus in den Riss zwischen Gott und Menschen getreten ist.

Was bedeutet das nun ganz praktisch? Es ist eigentlich ganz einfach: Ich kann ohne Angst zu Gott kommen. Er empfängt mich jederzeit mit offenen Armen. Und ich kann ihm sagen, was mir fehlt - er gibt es mir. Wirklich!

Und damit ist es noch nicht genug. Als Jesus am Kreuz ganz kurz vor seinem Tod noch einmal betet, sagt er: "Ich befehle meinen Geist in deine (Gottes) Hände." Und das ist der Heilige Geist, der seitdem in Christen lebt. Wir brauchen es uns also nicht selbst einreden, dass das mit der Sündenvergebung usw. alles echt und nicht nur ein schöner Traum ist, Gott sorgt auch noch dafür, dass wir jederzeit seinen Geist bei uns haben, der uns hilft zu glauben, wenn wir es mal nicht können.

Ein wirklich guter Freitag! Der beste, den es jemals gab!

So sehr hast du die Welt geliebt
Kommt und seht Gottes Sohn
Was für ein Mensch

Wenn Menschen sich auf diese Tatsachen Gottes einlassen, sich von ihm immer und immer wieder neu beschenken lassen, sich lieben lassen, bis sie überfließen von Gottes Geschenken, dann können auch sie Hoffnungsfunken in dieser Welt sein. Immer in dem Wissen: Ich muss nichts beweisen, sondern darf einfach weitergeben, was ich selbst geschenkt bekomme.

Denn Gott weiß auch: Menschen müssen das auch immer wieder von anderen Menschen hören, was sonst nur leere Theorie bleibt.

Einen guten Freitag dir, du Geliebte, du Geliebter Gottes! Vielleicht der beste Freitag, den du jemals hattest?